Synopsis zum 05.11.2011:

Zwischen einem sich ostwärts ausgreifendem Subtropenhoch und einem umfangreichen Tiefdruckkomplex von Frankreich bis ins westliche Mittelmeer
wurden maritim kühle Luftmassen vom Seegebiet vor Großbritannien Richtung Spanien geführt.
Überlagert wurde die Luftmassen von einem weit amplifizierten Trog, der rückseitig subpolare Höhenkaltluftmassen bis zu den Balearen vordringen lies.
Auf der Trogvorderseite entwickelte sich aus einer Welle eines über Island ansässigen Zentraltiefs ein eigenständiger Bodenkern, dessen Kaltfront von der Achse des Troges nahezu überlagert wurde.
Flankiert wurde das Tiefdrucksystem außerdem durch hohen Druck im Osten, ausgehend von einem mächtigen Hochdruckgebiet über Russland.
Dieser Zustand erzwang durch die resultierende Anordnung der Langwellen bzw. des Randtroges eine quasi stationäre Lage des Bodentiefs.

Präfrontal der Kaltfront entwickelte sich in einem hochdynamischen Umfeld oberhalb feuchtlabiler Luftmassen ein breites Gewittercluster von Sardinien bis Südfrankreich.

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Synopsis zum 06.11.2011:

Am 07.11 hat sich die Kaltluft bis nach Italien vorgearbeitet, gleichzeitig konnte sich die Warmfront über Frankreich bis nach Spanien fortbewegen,
so dass die Kaltluftadvektion von Großbritannien aus immer weiter abgeschnürt wurde.
Das dominante Tiefdruckgebiet konnte sich aufgrund der zum abgetropften neigenden Höhenkaltluft, respektive Trog etwas nach südwestlich verlagert, verblieb aber in einer quasi stationären Lage.
Dies erlaubte dem noch exa-tropischem Tiefdruckgebiet die Umwandlung in ein subtropisches System innerhalb der nächsten Tage.
Das nun vom Jetstream entkoppelte Tiefdruckgebiet wirkte hauptsächlich als Konvergenz unter der Höhenkaltluft. Die relativ hohe Wassertemperaturen von 22-23°C bei den Balearen labilisierten unter den höhenkalten Luftmassen (-19 bis -20°C in 500hPa) die Schichtung stark, in Verbindung mit den hebungsträchtigen Vorgängen des Tiefs entstanden markante Gewittercluster.
Ebenfalls hoch labil war die Schichtung präfrontal der Kaltfront, womit ein ausgedehntes Gewittercluster über Zentral- bis Norditalien entstand.



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Synopsis zum 07.11.2011:

Am Morgen des nächsten Tages konnte man das Frontensystem des Tiefdruckgebietes nicht mehr einwandfrei identifizieren.
Die Baroklinität an der Kaltfront hatte in den frühen Morgenstunden stark abgenommen, womit gleichzeitig auch die Wetteraktivität abgenommen hat.
Im Sat-Bild sind nur noch Überreste der KF zu erkennen, die aus dem bestimmendem Druckzentrum immer weiter rauslaufen.
Gleiches geschah mit der Warmfront, einzelne Reste der ehemaligen WF bewegten sich auf Zentralspanien zu.
Das ehemalige exa-tropische Tiefdruckgebiet hatte sich somit zu einer subtropischen Depression transformiert.
Immer besser organisierten sich die -von der Höhenkaltluft und den hohen SSTs hervorgerufenen- Gewittercluster um das Tiefdruckzentrum.
Nur noch mit Mühe kann man an der Südseite des Tiefs eine sich ein ringelnde barotrophe Okklusion diagnostizieren.
 

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Am Mittag war das System dann komplett frontenfrei und konnte nun als subtropisches System eingeordnet werden.
Um das Zentrum des tiefsten Luftdruckes rotierten einzelne spiralförmige Konvektionsbänder in Richtung Zentrum.
Nach UKMO wurden diese Konvektionsbänder als Okklusionen klassifiziert, eigentlich recht typisch für ein Hybridsystem.
Im Laufe des Tages stieg der Kerndruck um ca. 1hPa, bis er sich schließlich auf 1005hPa einpendelnde.



Synopsis zum 08.11.2011:

Zwischen Vormittag und Nachmittag war dann der Höhepunkt der Entwicklung erreicht, was mit einer leichten Vertiefung auf 1004hPa belegt wurde.
Die nun mächtigen spiralförmigen Konvektionsbänder deuteten auf tropische Eigenschaften des gut organisierten Systems hin.
Auch sonst zeigte das System durchwegs tropische Eigenschaften:
-warmer Core in der Höhe
-das Windfeld zeigte einen nahezu symmetrischen Aufbau ohne erkennbare Windsprünge
-keine Baroklinität bzw. Fronten
-höchsten Windgeschwindigkeiten am Core
-gut ersichtlicher Outflow am Rand des Systems


Relativ trockene Luftmassen an der Südwestseite des Tiefs (dry intrusion) ließen keine weitere rasche Intensivierung zu.
Weiterere Faktoren, warum sich das System am späten Abend nicht mehr verstärken konnte, waren unter anderem die niedrigen Wassertemperaturen an der französischen Küste (18°C) und der landfall über Frankreich.

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 8Uhr:
Tropisches System zwischen den Balearen und Korsika.
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 10Uhr:
Outflow gut ersichtlich östlich der Konvektionsbänder.
Höhepunkt der Entwicklung fast erreicht mit einem geschlossenem Rotationszentrum, Ansätze einer Eyewall bilden sich aus, CDO nun vorhanden
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 11Uhr:
 

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Konvektionsanalyse vom 8.11.2011 um 12Uhr:
Höhepunkt der Entwicklung, geschlossene Eyewall zu erahnen.
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 13Uhr:
Leicht abschwächende Tendenz der Entwicklung durch zunehmendem Landkontakt
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 14Uhr:
Konvektions kommt nun immer über kühles Oberflächenwasser. Leichte Deorganisation
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 15Uhr
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 16Uhr
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 17Uhr:
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 18Uhr
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 19Uhr:
An der französischen Küsten wurde nun ein maximaler Mittelwind von 104km/h gemessen, Böen von 133km/h, das entspricht Hurrikanstärke
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 20Uhr
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 21Uhr:
Rotationszentrum liegt nur noch wenige Kilometer vor Frankreich.
Windgeschwindigkeiten bis 154km/h werden an den Küsten gemessen
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 22Uhr:
Nun starke Abschwächung des Systems durch zunehmender Auskühlung der bodennahen Landluftmassen
 

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Satellitenbild vom 8.11.2011 um 23Uhr



Entwicklung am 09.11.2011:

Am nächsten Tag lagen die Überreste des Sturms vor Marseille. Im Laufe der Nacht hatte sich der Sturm durch die auskühlenden Landluftmassen stark abgeschwächt, der Kerndruck hatte sich von 1004hPa auf 1016hPa zum Vortag erhöht.
Unter den sehr niedrigen Wassertemperaturen (17°C-18°C) nahm entsprechend die Labilität stark ab, dem System wurde die restliche Energie entzogen.
 

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Satellitenbild vom 9.11.2011 um 8Uhr:


Wassertemperaturen:

http://img267.imageshack.us/img267/7714/sst.png
Wasseroberflächentemperaturen nach Wunderground am 08.11.2011
Hellblau = 18°C
Türkis = 19°C
Grün = 20°C


Insgesamt war die Entwicklung eines tropischen Sturm über dem Mittelmeer doch recht ungewöhnlich. Ähnliche Entwicklungen traten in den Jahren 2007 und 1995 schon einmal auf, jedoch wurde ein solcher Sturm noch nie als tropischer Sturm klassifiziert.
Diesmal wagte die zuständige Behörde (NOAA) den Schritt, auch Systeme über dem Mittelmeer als Tropenstürme zu klassifizieren.
Dieser Sturm ist einmal wieder ein Beweis, dass es nicht unbedingt Wassertemperaturen von 26°C braucht, um tropische Stürme zu bilden.
Bei entsprechender Höhenkaltluft kann sich ein tropischer Sturm auch schon bei Wassertemperaturen unter 26°C bilden, in diesem Fall haben 22°C bis 23°C ausgereicht.

An den Küsten Frankreichs wurden sogar Spitzenböen von 154km/h und ein Mittelwind von 104km/h gemessen, Geschwindigkeiten die Hurrikanstärke zeigen.



Höchstgeschwindigkeiten:

Île du Levant Région Provence-Alpes-Côte d'Azur
Frankreich (43.03 N, 6.47 E)
08-11-2011 (Dienstag) 21:00 UTC
Intensität: F1 T2
Windgeschwindigkeit: 41.1 m/s (148km/h)
Zugrichtung: E-W

Porquerolles Région Provence-Alpes-Côte d'Azur
Frankreich (43.00 N, 6.20 E)
08-11-2011 (Dienstag) 21:00 UTC
Intensität: F1 T3
Windgeschwindigkeit: 42.8 m/s (154km/h)
Zugrichtung: NE-SW

Ramatuelle/Cap Camarat - Böen 133 km⁄h , Mittelwind 104 km⁄h

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http://img33.imageshack.us/img33/2941/38665914.png

Quelle:
-www.essl.org
-www.infoclimat.fr
-Meteomedia
-www.eumetsat.int
-www.wetter3.de
 


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