Luftmassen nach SCHERHAG (DWD)>

Aus der polaren Zone:

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Arktische Polarluft:
cPA :
>Eigenschaft : kontinental/trocken, extrem kalt
>Ursprungsgebiet: Nordsibirien
>Beschreibung: Eine als cPA klassifizierte Luftmasse kann in den Wintermonaten extrem kalte Temperaturen erzeugen.
Eine solche Luftmasse ist über Mitteleuropa nur sehr selten zu finden und findet daher nur in Ausnahmemonaten wie den Februar 1956 den Weg über Russland nach Deutschland.

mPA :
>Eigenschaft: maritim/feucht, sehr kalt
>Ursprungsgebiet: arktischen Meeren, Nordpol
>Beschreibung: Ähnlich wie eine kontinentale arktische Polarluft ist auch eine maritime, arktische Polarluft nur selten über Mitteleuropa zu finden.
Eine relativ lange und komplizierte Advektion über das Nordmeer und Skandinavien macht es ebenfalls relativ schwer eine solche Luftmasse nach Deutschland zu verfrachten.
Der hohe bis mittelhohe Feuchtegehalt ermöglicht außerdem leichte Schneefälle bei zyklonalen Einfluss unter Höhenkaltluft.



Polarluft:
cP:
>Eigenschaft: kontinental/trocken, sehr kalt
>Ursprungsgebiet: Russland
>Beschreibung: Speziell bei einem Hochdruckgebiet über Skandinavien und einer resultierenden Ostströmung über Mitteleuropa ist die Luftmasse cP zu beobachten.
In den Wintermonaten sinken die Temperaturen auch hier nicht selten unter -15°C in klaren Nächten
und in Verbindung mit Schneeflächen sind sogar noch tiefere Temperaturen möglich.

mP:
>Eigenschaft: maritim/feucht, kalt
>Ursprungsgebiet: Grönlandmeer, Meere westlich Islands
>Beschreibung: Maritime Polarluft ist in den Wintermonaten der eigentliche Klassiker für Schneefälle, vor allem in Verbindung mit Okklusionsfronten kann sich oftmals eine geschlossene Schneedecke ausbilden.
Stark erwärmt von den nordatlantischen Meeren liegen die Temperaturen in den Nächten nur noch leicht unter dem Gefrierpunkt und tagsüber sogar leicht darüber.



Gealterte Polarluft:
cPT:
> Eigenschaft: kontinental/ trocken, leicht unterdurchschnittlich temperiert
>Ursprungsgebiet: Russland
>Beschreibung: Mit einem Umweg über Südosteuropa erreicht uns die Luftmasse cPT unter einer leicht südöstlichen Anströmung. Bei einer solchen Luftmasse ist allgemein ein recht starker Tagesgang zu erwarten.
Zum Mittag sind entsprechend der Jahreszeit (mit Ausnahme des Winters) leicht überdurchschnittliche Temperaturen zu erwarten, in den Nächten kehrt sich das Vorzeichen meist deutlich um.

mPT:
> Eigenschaft: maritim, feucht, meist durchschnittlich temperiert
>Ursprungsgebiet: Arktis
>Beschreibung: Über den Nordatlantik kann diese Luftmasse über eine zonal exponierte Frontalzone nach Mitteleuropa gelangen. In Folge der in Mitteleuropa häufig auftretenen zonalen Wetterlagen gelangt diese Luftmasse sogar relativ häufig nach Deutschland und bestimmt unser Klima nachhaltig. Bei Advektion dieser Luftmasse kommt es häufig zu Niederschlägen, die besonders in den Wintermonaten auch als Schnee fallen können. Für die Mehrheit der Bevölkerung ist die Luftmasse aber eher ungeliebt, da sie im Sommer meist leicht unterdurchschnittlich und im Winter leicht überdurchschnittlich temperiert ausfällt.


Aus der gemäßigten Zone:

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Gemäßigte (Tropik-)Luft:
cTP:
> Eigenschaft: kontinental, durchschnittlich temperiert
>Ursprungsgebiet: Mitteleuropa
>Beschreibung: Die Luftmasse cTP ist typischerweise über Mitteleuropa zu finden und entwickelt sich oft erst durch stetige Transformation subpolarer Luftmassen (Erwärmung durch den Kontinent).
Im Durchschnitt sind bei dieser Luftmasse den Jahreszeiten entsprechenden Temperaturen zu erwarten.

mTP:
> Eigenschaft: maritim/feucht, mild
>Ursprungsgebiet: Nordostatlantik
>Beschreibung: Die Luftmassen mTP ist ebenfalls eine der klassischsten Luftmassen über Mitteleuropa. Über eine glatte Frontalzone werden überdurchschnittlich oft
im Jahresverlauf maritime Luftmassen aus dem Nordostatlantik nach Mitteleuropa advehiert. Das Temperaturniveau ist allgemein im mitteleuropäischen Durchschnitt angesiedelt,
wobei speziell die Nächte in den Wintermonaten sehr mild werden können.



Aus der tropischen Zone:


http://desmond.imageshack.us/Himg16/scaled.php?server=16&filename=17207950.png&res=landing

Tropikluft:
cT :
> Eigenschaft: kontinental, warm
>Ursprungsgebiet: naher Osten, südl. Balkan
>Beschreibung: Kontinental Tropikluft findet eher selten den Weg nach Mitteleuropa. Um eine solche Luftmasse aus dem nahem Osten nach Mitteleuropa zu verfrachten, benötigt es eine stark advektive Südostströmung, die aber aufgrund der progressiven Wirkung unseres Polarwirbels nur selten gegeben ist. Zwar gestaltet sich diese Luftmasse überwiegend trocken, dennoch sind unter zyklonalem Einfluss auch schwüle Tage möglich.

mT:
> Eigenschaft: maritim/feucht, sehr mild
>Ursprungsgebiet: Azorenraum
>Beschreibung: Kennzeichnend für diese Luftmasse ist ein sehr hoher Wassergehalt in der gesamten Schichtung, da sich die Luftmasse fast ausnahmslos über dem warmen Wasser des Nordatlantiks befindet. In Mitteleuropa angekommen, verursacht eine solche Luftmasse fast zwangsläufig (teils starke) Konvektion, da viel latente Wärme freigesetzt werden kann.


Afrikanische Tropikluft:
cTS: kontinental/trocken, sehr heiß
>Ursprungsgebiet: Sahara
>Beschreibung: Kontinentale Tropikluft aus Nordafrika ist der Klassiker für ausgeprägte Hitzewellen in Mittel- und Westeuropa. Durch den niedrigen Wassergehalt der Luftmasse kann sich die Luft bodennah stark erwärmen, so dass die Temperaturen am Nachmittag sogar vereinzelt 40°C erreichen können. Die Advektion findet typischerweise ihren Weg aus Nordwestafrika über Spanien und Frankreich nach Deutschland.

mTS:
> Eigenschaft: maritim/feucht, mild
>Ursprungsgebiet: Nordafrika
>Beschreibung: Auch der maritime Bruder der kontinentalen, nordafrikanischen Luftmasse nimmt einen ähnlichen Weg über Südeuropa nach Mitteleuropa. Allerdings wird diese Luftmasse über das feuchte Mittelmeer und nicht über Spanien geführt, so dass sich diese Luftmasse in der unteren Luftsäule mit Feuchte anreichern kann. Markante Schwergewitterlagen sind auf diese Weise möglich, da über der feuchten Grundschicht oftmals noch trockene Luftmassen in mittleren Höhen eingelagert sind.


 





Vorsicht: Jede Luftmasse ist äußeren Einflüssen unterlegen und verändert sich im Laufe der Zeit.
Je stärker die Luftströmung, desto schneller kann die Luftmasse herangeführt werden und desto weniger ist ihre ursprüngliche, charakteristische Schichtung verändert (im Vergleich zu einer Luftmasse, die nur langsam über eine lange Zeit advehiert wurde).


Möglichkeiten zur Transformation:

-turbulente Durchmischung: Änderung der Stärke des Vertikalaustausches.
Beispiel: Eine Luftmasse polaren Ursprungs gerät aus einer schwachen (antizyklonalen) Strömung heraus in einen Jetstream eines Orkantiefs und wird stark durchmischt. Die Turbulenz ist nun bestrebt eine Gleichverteilung der Luftmasseneigenschaft mit der Höhe herzustellen (eventuelle Inversionen werden so aufgelöst).

-diabatische Wärmeübergang am Untergrund: warmes oder kaltes Meereswasser.
Ozeane stellen aufgrund ihrer sehr trägen Temperaturänderungen generell riesige Wärmequellen oder Wärmesenken dar. Über dem Meer kommt es dabei grundsätzlich zu einer Feuchteanreicherung der untersten Schichtung. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten eines diabatischen Wärmeübergangs über dem Meer. Erwärmt das Meer die Luftmasse (im Winter), kommt es zu einer (thermischen) Labilisierung der Schichtung, wodurch der Vertikalaustausch stark angeregt wird (Cu entsteht häufig). Kühlt das Meer die Luftmasse ab (im Sommer), so wird die Schichtung stabilisiert und der Vertikalaustausch wird gedämpft (hier kann bsp. Nebel entstehen). Bei Erwärmung transformiert die Luftmasse also schneller als bei einer Abkühlung.

-Strahlung oder Abstrahlung (Freiwerden latenter Wärme)
Durch Einstrahlung der Sonne wird die Luftmasse von unten aufgeheizt, dabei steigt die Temperatur stark und die relative Feuchte nimmt entsprecht ab. Bei entsprechender Schichtung wird die Luftmasse so labilisiert und Konvektion bildet sich aus, die Luftmasse setzt latente Wärme frei. Bei Abstrahlung in der Nacht beispielsweise kommt es zu einem Temperaturrückgang im untersten Bereich der Luftmasse und entsprechend steigt die relative Feuchte.

-Strecken und Schrumpfen: Durch Vertikalbewegungen.
Häufig sind Luftmassen großräumigen, dynamischen Prozessen unterlegen. Hebung führt dabei zu einer Abkühlung der Luftmasse und entsprechend resultiert eine Erhöhung der relativen Luftfeuchte (kann Wolkenbildung verursachen). Absinken hingegen erwärmt die Luftmasse, gleichzeitig sinkt die relative Luftfeuchte (Wolkenauflösung). Ein Maximum der Vertikalbewegungen ist in der mittleren Troposphäre zu finden. Mit der Hebung kommt es zu einem vertikalen Strecken mit Labilisierung in der unteren Troposphäre und entsprechend zu einem Schrumpfen der Luftsäule in der oberen Troposphäre (hier Stabilisierung). Dies kann dazu führen, dass Konvektion eintritt.
Beim Absinken passiert das Gegenteil.

 

Literatur: Synoptische Meteorologie, von Manfred Kurz, 2., vollständig neu bearbeitete Auflage

 

Autor: Mike Rosin


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